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10.02.2026
Topic contribution

Macht mich SM toxisch?

Liebe Community,
wie manche vielleicht wissen, lese ich die Schlagzeilen des Charon-Verlags und nicht selten finde ich darin etwas das mir Impulse zu einem eigenen Beitrag liefert. So auch diesmal.
Ein Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe ist: „SM und toxische Beziehungen“. Über den Begriff der Toxizität habe ich bereits einen Beitrag veröffentlicht, das Thema scheint mir aber auch in der Szene ein Dauerbrenner zu sein.
Vereinfacht könnte man sagen, dass alle unerwünschten Eigenschaften des Partners Gefahr laufen als toxisch gebrandmarkt zu werden.
Mangelnde Empathie und Rücksichtnahme, ein zu starres Korsett an Rollenerwartungen oder die Art wie man SM begreift oder leben möchte, können toxisch sein.
Erst kürzlich hat sich eine Userin bei uns und später auf einer anderen Plattform über uns darüber beschwert, dass wir Bilder mit „Körperverletzungen“ zulassen. SM geht auch ohne Körperverletzung, und sollte auch nur so praktiziert werden, war ihre feste Überzeugung.
Toxisch ist das neue pervers. Was allerdings als „pervers“ gilt, ist keine naturgegebene Kategorie, sondern das Ergebnis moralischer Übereinkünfte, die sich im Laufe der Geschichte wiederholt verändert haben. Ein historisch besonders deutliches Beispiel ist der Umgang mit Homosexualität. Über lange Zeit galt sie als moralischer Defekt, als Zeichen eines falschen Wollens oder einer verdorbenen Persönlichkeit. Homosexuelle Menschen wurden pathologisiert, sanktioniert oder zur „Besserung“ angehalten. Die implizite Annahme dahinter war klar: Diese Neigung sei Ausdruck eines Charakterfehlers und daher korrigierbar.
Heute ist von den meisten Menschen anerkannt, dass diese Annahme irrig war. Auch SMer haben in der Wahrnehmung der Bevölkerung einen Wandel erfahren, vom „perversen Frauenschläger“ wurde – nicht zuletzt durch Romane wie „Fifty Schades of Grey“ – eine sexuelle Spielart die plötzlich auf Verständnis, wenn nicht sogar Interesse gestoßen ist.
Sadomasochistische Vorlieben, etwa Lust an Machtgefällen, Kontrolle, Schmerz oder Praktiken wie Bondage galten plötzlich als weniger „pervers“. Bondage gilt sogar an manchen Orten als eine Art „Wellness-Programm“. Zudem entstand ein Verständnis dafür, das sich – ähnlich wie bei der Homosexualität – Niemand willentlich dafür entscheidet, durch bestimmte Dynamiken erregt zu werden. Niemand „beschließt“, auf Schmerz, Unterwerfung oder Dominanz mit Lust zu reagieren. Solche Neigungen entstehen aus einem komplexen Zusammenspiel von Disposition, Erfahrung, Fantasie und individueller Entwicklung. Sie sind nicht beliebig formbar – und schon gar nicht durch moralische Missbilligung auflösbar.
Was sehr wohl möglich ist, ist Unterdrückung. SMer können gegen ihre Neigungen leben, so wie viele Homosexuelle es über Jahrzehnte tun mussten. Doch das Verschwinden der Neigung selbst ist eine Illusion. Moralische Ablehnung verändert nicht das Innere, sondern nur den Umgang damit.
Die vergangenen Jahre, hatte ich den Eindruck das dieser Sachverhalt in der Gesellschaft begriffen war. Erst in der jüngeren Vergangenheit sehe ich eine Tendenz, die einen „Rückschritt“ einläuten könnte.
Wir durchleben eine Phase des „Du-kannst-alles-sein“ und „Sei-nicht-toxisch“, die nonchalant zu ignorieren scheint, dass Neigung nicht Produkt des eigenen Selbstkonzepts ist, sondern im eigenen ich vorgefunden wird.
Daher ist es gut möglich, dass meine Neigung (z.B. ein massiver Kontrollwunsch) von meinem Partner als „toxisch“ etikettiert wird. Das bringt sie aber nicht zum Verschwinden.
Gerade für SMer ist deshalb eine präzise Unterscheidung entscheidend: zwischen Neigung und Handlung. Eine Neigung an sich ist weder moralisch gut noch schlecht. Moralisch relevant wird erst, was aus ihr folgt. Konsens, Freiwilligkeit, Verantwortung und Reflexion markieren hier die Grenze zwischen legitimer Praxis und tatsächlichem „toxischen“ Unrecht.
Wer diese Unterscheidung verwischt und Menschen bereits für ihre inneren Dispositionen moralisch verurteilt, wiederholt einen alten Fehler: Er bekämpft nicht schädliches Verhalten, sondern dämonisiert Identität. Die Geschichte zeigt, wie oft sich Gesellschaften darin geirrt haben.
Moralischer Fortschritt besteht nicht darin, neue Formen von Perversion oder Toxizität zu benennen, sondern darin, präzise zu Unterscheiden. Menschen sind verantwortlich für ihr Handeln, nicht für das bloße Vorhandensein ihrer Neigungen.
Und ob eine Handlung „pervers“, „toxisch“ oder gar „falsch“ ist lässt sich sehr häufig nicht pauschal beurteilen. Was Person X als toxisch empfindet, kann Person Y als Tugend sehen. Was Ratgeber wie: „Wenn dein Partner dass macht! Lauf!“ als das entlarven was sie sind: mentale Konfektionsware. Sie sitzen manchen rein zufällig gut, passen aber nicht Jedem.
Wer das im Blick behält, der lässt ich – so hoffe ich – nicht so schnell durch schillernde Begriffe blenden.
Text: M. Zyks
Bild: M. Zyks & Sora
Author
MagicZyks
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