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02.11.2026
Topic contribution

Das weiß ich besser!

Liebe Mitglieder,
jeder, der im Forum schon einmal an einer Diskussion teilgenommen hat, kennt wahrscheinlich das Phänomen, dass früher oder später ein oder zwei Mitglieder in die Diskussion eintreten, die ganz genau zu wissen glauben, „wie der Hase läuft“.
Nicht selten entsteht dann eine geradezu feindselige Atmosphäre unter den Hütern des „heiligen Grals“ der richtigen Meinung/Haltung, die auch schon mal die Stimmung des gesamten Threads zum Kippen bringt.
Warum ist das so?
Der Wunsch, recht zu haben, ist dabei nicht zwangsläufig das Problem, sondern eine durch und durch menschliche Eigenschaft, wenn man von einer Sache überzeugt ist.
Wir wollen Dinge verstehen. Wir möchten uns orientieren, unsere Überzeugungen verteidigen und uns gegen unzutreffende Vorwürfe zur Wehr setzen.
Schwierig wird es, wenn das Recht-haben eine andere Aufgabe übernimmt als die Klärung der eigentlichen Forumsfrage.
Diese „anderen Motive“ schleichen sich mitunter völlig unbemerkt ein und werden dadurch zum Problem.
Recht-haben kann viele Gesichter, sprich: Motive, haben.
So kann das Gefühl, recht zu haben, mein Selbstbild schützen, Unsicherheit reduzieren, mir ein Gefühl von Kontrolle geben, meinen sozialen Status sichern oder mich moralisch bestätigen.
Wenn sich diese Dinge in die Diskussion einschleichen (und das tun sie mehr oder minder nahezu immer), lautet die Diskussionsfrage nicht mehr: „Was ist richtig?“, sondern: „Was bleibt von mir übrig, wenn ich nicht recht habe?“
Plötzlich steht für mich nicht nur meine Meinung zur Diskussion, sondern meine ganze Person. Und so sehe ich mich gezwungen, mich als Ganzes zu verteidigen und zu rechtfertigen.
Auch wenn ich selbst nicht in diese „Falle“ tappe, kann mich mein Gesprächspartner in diese Richtung treiben.
Er schreibt plötzlich nicht mehr: „Diese Position leuchtet nicht ein, weil …“
Sondern Aussagen wie: „Du hast nichts begriffen. Was ist nur falsch mit dir? Mit etwas Anstand würdest du diese Meinung nicht verteidigen …“
Ab diesem Punkt geht es meist nicht mehr um die Sache, sondern nur noch darum, als Person mit „heiler Haut“, sprich: gesichtswahrend, aus dieser Diskussion herauszukommen. Ein Grund, warum einige eher konfliktscheue Mitglieder im Forum nie etwas schreiben, obwohl sie sicherlich etwas beizutragen hätten.
Wer trotz allem das Wagnis eingeht, sich mit seiner Meinung in die Öffentlichkeit zu wagen, sei es bei uns oder anderswo, der tut gut daran, eine Eigenschaft zu besitzen: nämlich das Standing, es ertragen zu können, unrecht zu haben.
Text: M. Zyks
Bild: M. Zyks & ChatGPT
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